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Andreas Langen empfiehlt: Bewegende Studie über die privaten Fotos, die deutsche Soldaten vom Zweiten Weltkrieg gemacht haben. Anschaulich in Text und Bild, gründlich in der Recherche, erschütternd im Inhalt - ein unbequemes, notwendiges, niemals polemisches Buch. Sollte Pflichtlektüre für alle werden, die deutsche Geschichte und Identität verstehen möchten.
Dust Book von Thomas Gizolme und Aline Diépois, mit Texten von Thomas Gizolme, Gestaltung von Aline Diépois und Thomas Gizolme Durchgeknallt und schön. Wenn Taratino statt Filmen Fotobücher machen würde, sähen die womöglich aus wie dieses: Ein Pärchen zieht ziellos durch die Südstaaten, notiert in Text und Bild, was so am Wegrand liegt, und bringt all das in einem angenehm chaotischen Design auf rauhes Papier. Vorsicht Erziehungsberechtigte: enthält grobe Vokabeln, und ein Bild des nackten Fotografen.
Purple Desk von Mattias Schaller, Gestaltung: Sarah Winter / Steidl Design, mit einem Essay von Andreas Beyer, erschienen bei Steidl Der kleinste Staat der Welt, seziert vom messerscharfen Blick der Architekturfotografie. Schaller zeigt die Schreibtische der vatikanischen Kardinäle, und zwar aus der Augenhöhe eines Knieenden. Das reicht um zu sehen, wie eisig die Höhen der Macht sind, die hier mit Ewigkeitsanspruch ausgeübt wird. Gott mag gnädig sein, diese Bilder sind es nicht.
Schatten über der Wildnis von Nick Brandt, mit Texten von Vicki Goldberg und Peter Singer, Gestaltung Michelle Ishay, erschienen bei Knesebeck Die schönsten Fotos afrikanischer Wildnis, die man je gesehen hat. Unvorstellbar, wie Brandt mit seiner Großformatkamera (!) das macht: Löwen, Elefanten, Nilpferde und Büffel, perfekt in Komposition und Ausdruck, hinreißend in der Wiedergabe. Und bevor alles in Schönheit stirbt, erinnern kluge Texte daran, dass diese Paradiese tatsächlich auf der Kippe stehen. Der australische Philosoph Peter Singer schreibt im Nachwort: "Der Mensch hat auf jedem Ökosystem der Erde seine Fingerabdrücke hinterlassen. Der Klimawandel ist global. In manchen Regionen werden die Folgen gering sein, in anderen katastrophal. Die Menschen, die in reichen Ländern leben, viel Energie verbrauchen, viel Fleisch essen und benzinfressende Autos fahren, tragen die schwerste Verantwortung. Der Schatten, der auf das Land fällt, ist unser Schatten."
Studio von Paolo Roversi, mit Texten von Paolo Roversi, Gestaltung Pascal Dangin und Paolo Roversi, erschienen bei SteidlDangin Hinter den Kulissen bei einem der gefragtesten Mode- und Porträtfotografen der Welt. Schöne Überraschung: In Roversis Studio sieht´s aus wie bei Hempels unterm Bett, aber mit Stil. Abgeschabte Möbel, alter Krams wie Fachkamera und Polakassette. Mit solchen Antiquitäten schafft der Meister in sattem Schwarz-Weiß Stimmungen und Bilder ohne Verfallsdatum. Ein Augenschmaus, und ein Hoch auf zeitgemäße Unzeitgemäßheit!
American Power von Mitch Epstein, mit einem Nachwort von Mitch Epstein, Gestaltung: McCall Associates, erschienen bei Steidl Epstein ist ein Dokumentarist der Extraklasse. Er betreibt Soziologie, Landeskunde und politische Analyse mit visuellen Mitteln. Seine Bilder über Energiegewinnung, -verbrauch und deren Folgen in den USA sind so beeindruckend wie die Erlebnisse, die er im Land der Tapferen und Freien hatte:
Leichtes Gepäck von Olaf Unverzart, mit Texten von Karl Bruckmaier, Ulrich Pohlmann und Olaf Unverzart, Gestaltung Andreas Töpfer, erschienen im Verlag für moderne Kunst Nürnberg Reise um die Welt in 80 Bildern, so cirka: der Fotograf und sein kongenialer Grafiker basteln ein luftiges Puzzle, auf dem patagonische Gletscher mit äthiopischen Särgen kollidieren und schwedische Fischer auf Istanbuler Waffenhändler und ceylonesische Zwillingsschwestern treffen. Dazu variieren Material, Farbe, Oberfläche, Grammatur der Pappen und Papiere, ebenso wie Bildgrößen, -anschnitte und -farben. Eine vitale, federleichte Mischung, die das Zeug hat, ein Klassiker der Fotobuchgestaltung zu werden.
Einer für Alle von Martin Liebscher, mit Texten von Jan Peter Bremer und René Pollesch, Gestaltung Fine German Contemporary, Carsten Wolff und Thomas Rott, Größenwahn at its best. Ein regalsprengendes Format für ein überdimensionales Ego: Martin Liebscher kreiert fantastische Panoramen, die er selbst bevölkert, zu Hunderten. Nie wurde über das Individuum im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit komischer nachgedacht als auf diesen digitalen Monumentalkompositionen. Rufen Sie den Schreiner Ihres Vertrauens an, bestellen Sie ein XXL-Lesepult, und legen Sie einen Sparstrumpf an - Liebschers Preis entspricht seinem Format.
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